Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Dies ist kein Dialog

Nicht nur Redefreiheit, sondern Freiheit

Vielleicht ist es Dir noch nicht aufgefallen, aber Du führst keinen Dialog. Deine Ansichten tun nichts zur Sache. Bring Argumente, soviel Du willst – Dein Gegner lässt Dich reden. Noch besser: geh demonstrieren! Führ brav Dein Transparent spazieren – solange Du nichts tust. Rede Dir den Mund fusselig – das bringt ihnen Zeit.

Sie wollen Dir ihre Vorstellungen aufzwingen. Dafür all die Waffen, die Polizei, die Drohnen und die Überwachungskameras, FBI und CIA und NSA, all diese Gesetze, Gerichte und Durchführungsverordnungen. Dafür ihre Kirchen, diese rassistischen Internet-memes, Mobbing im Internet und in der realen Welt. Daher die Aggressionen gegen Homosexuelle und die Ketzerverbrennungen.
Dies ist kein Dialog – wie konntest Du so naiv sein? Ein Dialog – aus dem einige Teilnehmer*innen jederzeit gewaltsam entfernt werden können? Ein Dialog – in dem eine Seite auf die andere schießt und sie einsperrt? Ein Dialog – in dem alle Zeitungen, Radio- und Fernsehsender einigen wenigen gehören und der Rest von uns muss sich was mit Pappe und Filzstift basteln? Ein Dialog, echt?
Du befindest dich nicht in einem Dialog, Du befindest dich in einem Machtkampf. Es kommt nur darauf an, wie viel Kraft Du auf Deine Gegner ausüben kannst, um Dich gegen sie zu verteidigen. Wenn Du Erfolg hast, werden sie Dich beschuldigen den Dialog abgebrochen zu haben, ihre Redefreiheit einzuschränken – darauf kannst Du wetten. Sie werden Dich zurück an den Verhandlungstisch locken wollen, auf Zeit spielen, bis sie keine Vorwände mehr brauchen, um eine Diktatur aufzubauen, während Du in der Nase bohrst.
Dies ist kein Dialog, es ist ein Krieg. Sie setzen darauf, dass Du es nicht merkst, bis es zu spät ist. Wenn Freiheit Dir wichtig ist, wenn Dir all die Menschen, auf die Tod oder Abschiebung warten, nicht egal sind dann tu etwas.


Genau darüber reden wir.

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Vortrag zu Alles verändern

Pünktlich zur dritten Auflage von Alles verändern wollen wir hier einen Vortrag dazu dokumentieren.

Die frisch gedruckte, neue Auflage kann kostenlos hier bestellt werden.

Präsident Trump: Countdown zur Apokalypse

Bewegt den Zeiger der Weltuntergangs-Uhr ein Stück vorwärts.

Wir hatten recht damit, in welche Richtung sich die Dinge entwickeln, aber wir lagen falsch mit dem Zeitrahmen. Wir dachten Clinton würde die Wahl gewinnen und würde erst anschließend in Misskredit geraten – durch neue Skandale und die Herausforderung, einen zunehmend unbeliebten Status Quo aufrechtzuerhalten, der eine reaktionäre Welle hervorgebracht hätte, wie diejenige, die kürzlich Dilma in Brasilien stürzte. Stattdessen brach der Skandal noch vor der Wahl hervor, mit der Ankündigung weiterer FBI-Untersuchungen bezüglich E-Mails, die in Zusammenhang mit Clinton stehen. Und wie bei der Brexit-Wahl haben alle unterschätzt, wie verzweifelt und reaktionär die Bevölkerung geworden ist – zumindest diejenigen, die sich immer noch soweit mit der herrschenden Ordnung identifizieren, dass sie wählen gehen. Es ist später als ihr denkt.

Es ist bezeichnend, dass das Ereignis, das Trumps Präsidentschaftskandidatur gerettet hat, im Wesentlichen das Einmischen des FBIs war. Dies sagt uns eine Menge über das Zeitalter, in das wir eintreten: Es ist der Sicherheitsapparat des Staates, der das Sagen hat, nicht die Aspekte der Regierung, die vorgeben das Leben der Bürger*innen zu verbessern. Der Kapitalismus, seit langem stabilisiert in der sogenannten Ersten Welt durch die Kompromisse, die die Mittelschicht erschufen, wird von nun an gewaltsam auferlegt. Der Überfluss des 20. Jahrhunderts ist zur Neige gegangen. Der samtene Handschuh wird von der eisernen Faust gezogen. Selbstverständlich werden Populist*innen wie Trump und Sanders uns weiterhin alle vier Jahre das Blaue vom Himmel versprechen, aber es werden keine Friedensverträge sein, die die allgemeine Ordnung bewahren werden – es wird die Polizei sein.

Nachrichten wie diese müssen Verzweiflung erzeugen, aber wir dürfen nicht zulassen, dass diese Wahl uns unseren Glauben an die gesamte Menschheit verlieren lässt. Wahlen dienen dazu, uns gegenseitig das Schlimmste voneinander zu zeigen, indem die widerwärtigsten, feigsten und unterwürfigsten Aspekte unserer Spezies herausdestilliert werden. Viele Menschen, die niemals persönlich eine Mutter von ihren Kindern wegreißen würden, sind in der Privatsphäre der Wahlkabine fähig, Abschiebungen zu unterstützen. So wie die meisten Menschen, die Fleisch essen, niemals in einem Schlachthaus arbeiten könnten. Wäre da nicht die Distanzierung, die Charaktermerkmal einer Regierung an sich ist, könnten die meisten der hässlichen Grundsätze, aus denen sich die Trump Agenda zusammensetzt, niemals umgesetzt werden.

Präsidentschaftskampagnen sind darauf ausgelegt, Apathie zu begünstigen, indem sie den Eindruck vermitteln, dass alle wichtigen Entscheidungen dieser Welt nicht in unseren Händen liegen. Das ist der Sinn von staatlicher Politik: Uns außerhalb der Säle der Macht ruhigzustellen, indem wir einander und uns selbst misstrauen.

Heute müsste selbst der gesetzestreueste Liberale realisieren, dass wir nicht weiter von der Seitenlinie aus zuschauen können. Dem Spektakel der Machtlosigkeit müssen wir unsere eigene Handlungsmacht entgegenstellen. Doch zu welchem Zweck? Sicherlich nicht, um schon wieder eine neue politische Kampagne auf die Beine zu stellen. Wir müssen größer denken.
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