Archiv für Dezember 2015

Die Grenzen werden dich nicht schützen – aber sie könnten dich töten

Durch koordinierte Bombenanschläge und Schusswechsel in Paris, zu denen sich der Islamische Staat bekannte, wurden am 13. November 129 Menschen getötet. Obwohl dies nur das jüngste einer ganzen Serie von Attentaten ist, hat dieses eine andere Art von Aufmerksamkeit erregt als die Massaker in Suruç und Ankara, bei denen 135 Personen getötet wurden. Die Leben der jungen Aktivist_innen, die den kurdischen Kampf gegen den IS unterstützen – bisher der einzige bodengebundene Einsatz, der die Ausbreitung des Islamischen Staates blockierte – werden anders gewertet als die Leben von Westeuropäer_innen.
Das selbe gilt für die Leben der Millionen getöteten oder aus ihrer Heimat in Syrien vertriebenen. Europäische Nationalist_innen waren sofort zur Stelle, um die Anschläge mit der sogenannten “Flüchtlingskrise” zu verknüpfen. Gestützt auf die Behauptung, bei einem der Angreifer sei ein zu einem über Griechenland eingereisten Geflüchteten gehörender Pass gefunden worden, titelten britische Medien: »Jihadisten schlichen sich als falsche syrische Flüchtlinge nach Europa«. Diese Opportunist_innen möchten das noch frische Blut auf Paris Straßen nutzbar machen, um ihr Projekt der Schließung der Festung Europa zu Ende zu führen.
Ironischerweise fliehen viele derjenigen, die versuchen, Europa aus dem Mittleren Osten zu erreichen, vor ähnlichen, vom IS (und anderen Gruppen) durchgeführten Anschlägen. Deshalb überqueren sie Grenze um Grenze, riskieren dabei ihr Leben, um ein Europa zu erreichen, das sie nicht willkommen heißt. Ihnen den Fluchtweg abzuschneiden würde sie in vom IS kontrollierten Gebiet einschließen, was möglicherweise die Ressourcen des Islamischen Staates mehren und sicherlich den Frust verstärken würde, der die Menschen in die Hände des Islamistischen Fundamentalismus treibt.
Das war den Leuten, die die Angriffe geplant haben, sicher klar. Möglicherweise war es sogar eines ihrer Ziele. (mehr…)