Archiv für September 2015

Migrantische Arbeit

Aus gegebenem Anlaß stellen wir euch hier einen Auszug zu Migrantischer Arbeit aus Work zur Verfügung:

Warum überqueren Menschen illegal Grenzen, um nach Arbeit zu suchen? Zeigt das nicht, dass die USA und die EU bessere Ökonomien als Mexiko oder Marokko haben? Haben sie nicht das Recht, diese gegen Eindringlinge zu verteidigen?
Das ist Unsinn – es ist alles dieselbe Ökonomie. Waren, Jobs und Profite überqueren mühelos Grenzen – diese werden hauptsächlich gegen Menschen eingesetzt, um diese besser ausbeuten zu können. Nicht nur die Grenzen, sondern auch die Nationen selbst sind willkürliche Konstrukte, genau wie die Bezeichnung »illegale_r Immigrant_in«. Gemeinsam legitimieren sie die Einteilung der Arbeiter_innen in verschiedene Kasten. Um dem Ganzen jedoch auf den Grund zu gehen, müssen wir ein paar Jahrhunderte zurückschauen.
Als die Konquistadoren das erste Mal Segel setzen, war ihre oberste Priorität, Ressourcen zu erschließen, mit welchen sie die Oberhand in den Machtkämpfen daheim erlangen konnten. Wo immer sie auf hierarchische Gesellschaften trafen, ersetzten sie die lokale herrschende Klasse durch sich selbst. Wo immer die Einheimischen schwerer zu beherrschen waren, verschleppten sie sie oder schlachteten sie ab. Die Teile der Erde mit der reichsten Biodiversität – die Tropen und Regenwälder – wurden wie Schatzgruben behandelt und geplündert. Bis heute gehören diese Regionen zu den ärmsten der Welt und zu den am meisten ausgebeuteten. Kühlere Regionen (in denen weniger zum Plündern war), wie Nordamerika, endeten als Auffangbecken für Europas Überbevölkerung. Schlussendlich wurden sie selbst zu wohlhabenden Nationen, da der Wohlstand eher dort blieb, als nach Europa zurückgesandt zu werden. Das galt selbst für Australien, das zunächst eine Gefängniskolonie war. Als die Empire der ursprünglichen Kolonist_innen auseinanderfielen, waren diese neuen Mächte in der perfekten Position um zu übernehmen.
So ist also die Geschichte von Fremden, die kommen, um lokale Ressourcen zu konsumieren und Geld aus der Ökonomie zu schaffen, eine Projektion: Es ist exakt das, was Kolonist_innen in den Heimatländern der heutigen Arbeitsmigrant_innen Jahrhunderte lang taten. Immer wenn ein westliches Unternehmen eine Außenstelle im Ausland eröffnet und die Profite nach Hause schickt, findet derselbe Prozess der Ausbeutung, der zwischen Arbeitgeber_innen und Arbeitenden auftritt, zwischen Nationen statt. Der Internationale Währungsfond (IWF) und die Weltbank können sogenannte Entwicklungsländer in „Strukturanpassungsprogramme“ für Kredite zwingen, gerade weil diese Länder solange ausgebeutet wurden. Arbeitsmigration ist das unausweichliche Ergebnis dieser ungleichen »Entwicklung«. (mehr…)