Archiv für Dezember 2012

Interview in der Jungle World

Hier findet ihr die lange Version des Interviews, welches heute (13.12.2012) in der Jungle World veröffentlicht wurde.

Franz Hahn: Ihr seid Teil eines schon über 15 Jahren bestehenden anarchistischen Netzwerkes. So weit ich verstanden habe, kommt ihr ursprünglich eher aus der Subkultur, der Musikszene, der individualistischen Anarchistenszene, habt dann aber einen ernsthafteren, zunehmend gesellschaftlichen Standpunkt revolutionärer Beeinflussung entwickelt?

Ret Marut: Die von Dir beschriebene Entwicklung ist richtig. Aber wenn CrimethInc auch zu Beginn in der Subkultur verwurzelt war, haben wir die Subkultur doch herausgefordert und als CrimethInc dann stärker in der anarchistischen Bewegung verankert war, stellte es die anarchistische Bewegung in Frage. Jedenfalls folgte die Ausweitung des Projektes diesem gleichbleibenden Imperativ, der Infragestellung des Zusammenhangs.

Nikita: Anders ausgedrückt: CrimethInc war immer ernsthaft. Es war ernsthaft, als es Punkrock-Szenen gab und diese tourenden Bands und es war ernsthaft, als es darum ging, diese Subkultur an die äußersten Grenzen ihres radikalen Anspruchs zu drängen. Es war ernst in der Verspieltheit und darin, eine Kritik des Alltagsleben zu suchen; ernst in der Art, wie unser Leben und unser Widerstand freudvoll sein sollte. Und ernsthaft, weil es auf die Notwendigkeit der Rebellion schaut, wo immer wir anfangen, wo immer wir stehen. Wenn es auch in die Richtung ging, sich zunehmend zu erweitern und mit einer weiten Bandbreite von Leuten auf einer breiteren Basis Kontakt aufzunehmen, so blieben wir immer der Erkundung des revolutionären Potential in unseren Leben verpflichtet, egal wo wir sind.

Franz Hahn: Okay, ihr habt immer versucht, in eurer jeweiligen Umgebung radikal zu wirken. Aber andererseits sind da über die Jahre einige Entwicklungen. Was hat es damit auf sich? Soweit ich einige eurer Texte gelesen habe, ging es zunächst mehr auf einer individuellen Ebene um das Alltagsleben, während es jetzt mehr um die Unruhen gegen die Sparmaßnahmen geht.

Ret Marut: Wenn man sich die Entwicklung der CrimethInc-Projekte anschaut, kann man es leicht mit der möglichen Entwicklung einer Person vergleichen, die ausgehend von individuellen Momenten der Rebellion lernt, wie man diese Rebellion effektiver anwachsen lassen kann, indem man mit anderen Leuten Kontakt aufnimmt und schließlich eine Strategie für ein größeres Ausmaß an Projekten entwickelt. Es ist möglich unsere kollektive Flugbahn in den Begriffen eines Weges zu fassen, den jemand einschlagen könnte. Days of War begann mit individuellen Revolten, neuen Ideen. Vier Jahre später ist Recipes for Disaster eine Sammlung von Taktiken erschienen. Bei Rolling Thunder handelt es sich dann um eine Analyse von größeren Konflikten. Aktuelle Projekte, wie diese Tour, sind mehr auf die Formulierung einer internationalen Strategie für heutigen anarchistischen Widerstand gerichtet.

Nikita: Die frühen Projekte von CrimethInc, die Bücher und Schriften, gingen mehr in Richtung Revolte im Alltagsleben, Revolten in Subkulturen und dergleichen mehr. Sie haben dabei eine Menge der traditionellen Vorstellungen des anarchistischen Dogmas zurückgewiesen und konzentrierte sich auf die Kritik unserer Rollen an den Arbeitsplätzen und dergleichen. Wenn diese frühen CrimethInc-Texte auch von Leuten aus der traditionellen Linken, den traditionellen anarchistischen Strukturen sehr umfangreich kritisiert wurden, gehören sie doch unter die bekanntesten und inspirierendsten anarchistischen Texte der letzten 20 Jahre und sie regen bis heute Leute dazu an, sich an einer weiten, ernsthafteren Organisierung zu beteiligen. Ich glaube daher, dass, selbst wenn CrimethInc seinen Geltungsbereich erweitert und seine Analyse vertieft hat, diese ursprünglichen Projekte immer noch sehr wichtig sind und eine Menge Resonanz haben, auch wenn sie gerade nicht der Schwerpunkt unserer kollektiven Schriften und Produktionen sind.

Franz Hahn: Aber ihr hattet eine explizite Kritik etwa an der DIY-Bewegung, z.B. an Food not Bombs. Fighing in the New Terrain war eine starke Selbstkritik.

Ret Marut: Wir waren unseren eigenen Projekten gegenüber stets genauso kritisch, wie gegenüber denjenigen von allen anderen. Weder sind die Umstände so, noch ist CrimethInc ein Projekt, bei dem wir denken, wir hätten die Wahrheit, die wir dann an andere zu verteilen versuchen. Dieses Projekt soll herausfordern und den Todeskurs destabilisieren. Unsere Provokationen sind wegen der Fragen nützlich. Wenn wir eine Antwort vorschlagen, dann nicht ohne dieselbe auch zu kritisieren.

Franz Hahn: Habt ihr so etwas wie ein allgemeines Ziel, dass ihr erreichen wollt? Es muss keine konkrete Utopie sein, aber vielleicht die Richtung, etwa kommunistischer Anarchismus oder kollektive Arbeit und Verteilung.

Nikita: Wow. Wir wollen in einer Welt ohne Hierarchien leben, dass ist die vordringliche Vision. Ich bin aber weniger daran interessiert, die Konturen dieser zukünftigen Wirklichkeit klar und einheitlich zu definieren. Ich denke eher über die dahin führenden Prozesse nach, über die Praxis nach, die uns dahin bringen kann: Experimente aus Freiheit, die Möglichkeiten für viele unterschiedliche Welten jenseits der Hierarchien eröffnen können.

Ret Marut: Ich würde alle Ideen über zukünftige Utopias auf unsere derzeitige Praxis gründen wollen. Wenn wir auf eine Art kollektiv zusammenwirken, die uns gegenseitig erfüllt, die kreativ ist und die uns herausfordert, die uns von einem Ort zum nächsten führt und dabei verändert, dann ist das für mich grundsätzlich befriedigend. Das genügt mir als Vorgeschmack für eine andere Art, die Angelegenheiten zu regeln.

Franz Hahn: Gut, dann etwas über die momentane Praxis. Ihr habt über drei Kampfformen geredet, die an unterschiedlichen Orten stattfinden: der Produktion, der Konsumption und aus der Prekarität heraus. Dabei habt ihr herausgestellt, dass erfolgreiche Kämpfe heute selten in der Produktion selbst ihren Ort haben, sich vielmehr Widerstand eher außerhalb der Arbeitsplätze, außerhalb der Arbeitszeit bildet.

Nikita: In unserer Präsentation haben wir eine lose Geschichte der Wege nachgezeichnet, auf denen Menschen in den vergangenen Jahren zusammenfanden, um sich den Kapitalismus in den USA zu widersetzen. In der ersten Ära ging man von der Produktion aus, also von unseren Rollen an unseren Arbeitsplätzen, den festen Orten, die wir in der Wirtschaft einnahmen. Wir denken, dass die von Produktion ausgehenden Kämpfe in den Vereinigten Staaten eine Grenze erreicht haben, als vor annähernd Hundert Jahren ein Kompromiss zwischen einer bestimmten Arbeitergruppe und ihren Chefs etabliert wurde, der die Amerikanische Mittelklasse erschuf. Als die Autoritäten dieser Bewegungen darin übereinstimmten, nicht mehr unser Leben zurückzufordern und nicht nach der vollen Ausschöpfung unseres Potentials zu verlangen, damit wir machen können, was immer wir wollen, sondern vielmehr nur einen besseren Deal innerhalb des Kapitalismus anstrebten, wurde der Gewerkschaftsbewegung, der Bewegung, sich am Arbeitsplatz zu organisieren, das radikale Potential genommen.
Dann, in den Jahren nachdem dieser Kompromiss zuerst eingeführt wurde, konnte man immer öfter Revolten beobachten, die aus unserer Subkultur herrührten oder von den Dingen die wir zusammen kaufen, der Musik die wir hören, der Kleidung, die wir tragen. Das ist die Hippie-Generation und danach die Punkrock-Generation und dann die Hip-Hop-Generation. Als Möglichkeit der Zusammenkunft übertrafen diese Auseinandersetzungen in vieler Hinsicht die Arbeits- und Produktionskämpfe. Aber auch diese Widerstandsform kam an ihre Grenzen, da der Markt, der kapitalistische Markt fähig war, sich so zu erweitern, dass er immer mehr Spielarten der Individualität einen Raum innerhalb des Marktes bieten konnte. Man kann das in der extremsten Form daran sehen, wie der Markt auf die Anforderung der Do-it-yourself-Bewegung reagiert hat, etwa dem Bedürfnis, die Medien selbst zu machen. Jetzt haben wir Facebook, Youtube, Twitter und all diese Sachen, die oftmals ursprünglich der Verbindung sogar von radikalen Aktivitäten dienten, jetzt aber dazu benutzt werden, den kapitalistischen Markt auszudehnen, uns alle noch prekärer zu machen und dem Staat neue Möglichkeiten unserer Unterdrückung ermöglichen.
Wir haben es also mit Prekarität zu tun, damit, dass wir keine feste Position in der Wirtschaft haben; mit unserer Instabilität im Weltkapitalismus heute. Das könnte eine neue Möglichkeit sein, auf die Menschen in Zukunft zusammenkommen können. In der nordamerikanischen Occupy-Bewegung konnten wir den Anfang davon sehen. Sie gründete nicht in den Arbeitsstätten, nicht in den Schulen, sondern außerhalb der Wirtschaft, auf einer Sache, die wir immer noch teilen, nämliche unserer Verletzbarkeit im Kapitalismus. Die Occupy-Bewegung entspricht dabei nicht unserer Vision einer idealen antikapitalistischen Bewegung, aber sie lehrt einige wichtige Lektionen, auf welchen Wegen die Leute zukünftig gegen den Kapitalismus kämpfen könnten

Franz Hahn: Eine wichtige Sache, die man im Kopf haben muss, wenn man von außerhalb der Produktion angreift, ist, dass wir sie brauchen. Eines der Ziele ist die Aneignung der Produktionsmittel, oder was ist eure Meinung dazu?

Ret Marut: Wenn der gegenwärtig Kampfzyklus erfolgreich ist, so wird er meiner Meinung nach damit enden, dass sich die Prekären und Ausgegrenzten der Produktion als eine umgestaltende Kraft zuwenden. Aber wir müssen die Mittel durch die unser Leben produziert und reproduziert wird nicht nur ergreifen, sondern sie umgestalten. Das wird sehr anders aussehen, als in den Phantasien der Leute hundert Jahre früher, als die Idee war, dass wir einfach die Fabriken für uns laufen lassen, dass wir einfach weiter Waren produzieren. Heute, da immer mehr Leute Sachen machen, die außerhalb des kapitalistischen Rahmens keinen Sinn ergeben – z.B. Telefonmarketing –, wird die Beschlagnahme der Produktion tatsächlich sehr viel destruktiver aussehen und mehr einen Raum schaffen, in dem wir uns nochmal überlegen können, was wir als Gattung eigentlich grundlegend wollen und zwar in einer Art und Weise, die viel breiter ist, als alles, was der Anarchosyndikalist um 1910 angeboten hat.

Franz Hahn: Wenn wir alles umstrukturieren und die Produktion in meinetwegen etwas vollständig anderes transformieren wollen, so denke ich doch, dass wir damit anfangen müssen und um damit anzufangen, brauchen wir einige der Maschinen, also müssen wir diese Maschinen nehmen!

Ret Marut: Es gibt keine natürliche Welt, zu der man zurückkehren könnte. Es wird keine primitivistische Zukunft geben, sondern mehr eine Steampunk-Zukunft, in der all die vom Kapitalismus produzierten Trümmer irgend einem Nutzen zugeführt werden, so dass wir überleben können. So gesehen stimme ich Dir zu. Aber Werkzeug ist konkret gewordene Ideologie. Man kann nicht einfach ein Werkzeug nehmen, dass gemäß den Ansprüchen eines ideologischen Systems hergestellt wurde und glauben, dass es sich neutral in einem anderen Kontext verhalten würde. Man muss das Werkzeug immer kritisch benutzen, subversiv und auf eine Weise, die sein Potential verändert.

Nikita: In den USA heute befinden sich die Mehrzahl der Jobs in denen Menschen arbeiten nicht mehr in der Produktion, sondern im Dienstleistungssektor. Wenn ein so großer Teil der Wirtschaftsleistung nicht nicht in den Fabriken oder der Landwirtschaft erbracht wird, sondern in Cafés, Callcentern, Immobilienbüros oder im Einzelhandel, dann sieht die Aneignung der Produktionsmittel wirklich anders aus und, wie Ret Marut schon gesagt hat: wir haben nicht die Idee, dass wir einfach mit unseren Rollen aus dem Kapitalismus weitermachen könnten, nur dass wir, statt für den Profit der Chefs, für das Wohl der Gemeinschaft arbeiten. Tatsächlich ist heute die meiste wirtschaftliche Aktivität in den USA nutzlos, sie hat keinen Wert außer den Tauschwert. Natürlich brauchen wir die materiellen Hilfsmittel, um unsere Welt neu hervorzubringen: Ländereien, Güter, Rohstoffe. Und es wird viele Kämpfe brauchen, um dieses Territorium zu nehmen und zu verteidigen. Aber das heißt nicht einfach, dass die Arbeiter ihre Arbeitsstätten besetzen und die Maschinen für ein proletarisches Utopia benutzen. Es wird eine Menge Unterschiedliches an unterschiedlichen Orten bedeuten. Insbesondere aber die Demontage eines großen Teils der Wirtschaft, der nie auf menschlichen Bedürfnissen gründete, vielmehr nur dem Profit diente. Außerdem müssen wir im Kopf behalten, dass die kapitalistische Wirtschaft den Globus an seine Grenze gebracht hat, das Leben aufrecht zuhalten. Daher sind wir nicht daran interessiert, das volle Level der Ausnutzung der industriellen Ökonomie aufrechtzuerhalten und einfach zu versuchen, den aktuellen Lebensstandard zunehmend gleich unter unsere sieben Milliarden Menschen aufzuteilen. Es werden einige wirklich radikale Veränderungen in unserem Alltagsleben entwickelt werden müssen, von dem, was wir Wertschätzen und dem was wir mit unseren kollektiven Möglichkeiten machen wollen.

Franz Hahn: Versucht ihr überhaupt das Geldsystem loszuwerden? Manchmal ist das ja innerhalb des Anarchismus eine große Frage, ob man irgendeine Art Geld braucht oder ob wir keinerlei Geld brauchen? Seid ihr euch darüber im Klaren?

Nikita: Ich widersetze mich dem Kapitalismus nicht einfach nur, weil er ein schlechtes System ist, sondern, weil er ein totales System ist. Er saugt jede Person, jedes lebendige Ding dieser Welt in ein System, indem es nur einen einzigen Wert gibt, nur eine Art über die Welt nachzudenken, in der Profit der wichtigste Wert ist. Wenn ich mir vorstelle, wie die Welt nach dem Kapitalismus aussehen wird, so stelle ich mir eigentlich eine unglaublich große Vielfalt unterschiedlicher Wege vor, auf denen man Gesellschaften und Ökonomien organisieren kann. Sicherlich werden einige Gesellschaften wahrscheinlich einige Geldsysteme benutzen, irgendwelche Formen des verallgemeinerten Austauschs. Andere Systeme werden Zeitbanken sein, in die die Menschen ihre Arbeit gemeinsam einfließen lassen und die Güter darauf basierend austauschen. Manchmal wird es unmittelbare Subsistenz geben oder eine Naturalientauschwirtschaft. Oder beliebige andere Sachen. Für mich ist es nicht wichtig, genau herauszufinden, welche Art von Geld wir haben werden oder ob wir überhaupt irgendeine Form von Geld haben werden. Es geht eher darum die Richtung zu finden, die wir einschlagen wollen und die Werte, von denen wir wollen, dass auf ihnen unsere Gesellschaft und unsere Kämpfe basieren: Der Wert des Lebens über den des Profits; den Wert das Ökosystem um uns herum ebenso zu bewahren wie die Grundlagen unseres Überlebens. Es geht darum, zu erkennen, dass die Allmende und unsere gemeinsamen Produktionsmittel jedem gehören und alle ihre grundlegenden Bedürfnisse erfüllt bekommen sollten. Innerhalb dessen begeistert mich die Fülle unterschiedlicher Möglichkeiten für Geld- und Austauschsysteme, die daraus erwachsen.

Franz Hahn: Aber es gibt viele anarchistische Richtungen, die meinen, dass wir alle Sachen die wir haben wollen, frei verteilen müssen, ohne dafür Geld zu benutzen. Es ist der alte Anarchokommunismus etwa eines Malatestas oder Kropotkins. Ich weiß nicht, ob Du in der Geschichte der Anarchie bewandert bist, aber sie waren stolz darauf, über eine Gesellschaft ohne Geld nachzudenken, eher wie es die Kommunisten sagten. Ich mag diese Idee ohne Geld, aber Du scheinbar nicht so?

Nikita: Nein, ich persönlich hänge dem stark an. Ich habe kein Interesse, in einer Gesellschaft zu leben, die auf dem Geld gründet. Geld, Geldsysteme sind eine Form der Versachlichung, eine Form der Standardisierung von allem, und zwar gemäß nach einer Logik, die einfach meine Erfahrung der Welt nicht wiedergibt, die keine auf gegenseitiger Hilfe beruhende Wirtschaft umsetzt, einer solidarischen Wirtschaft, die auf unseren Bedürfnissen gründet.

Franz Hahn: Aber die Phrasen “Menschen über Profit” oder “Profit über Menschen” bezeichnen doch nur eine Relation und man behält in jedem Fall den Profit bei. Es ist nur eine Reform und nicht einmal eine realistische. Warum nicht: “Ohne Profit”, “Ohne Geld” oder “Ohne Lohn”?

Nikita: Das klingt nach der Art von Gesellschaft, in der ich gerne leben würde. Um klar zu sein: Ich kritisiere nicht die Idee, diese Idee drückt sehr viel meiner Politik aus. Ich will in einer Schenkökonomie, in einer solidarischen Wirtschaft leben, in der wir alles bekommen, was wir brauchen und keines Geldes bedürfen, um unsere grundlegenden Bedürfnissen zu befriedigen. Ich will nur würdigen, dass es in meinem anarchistisches Projekt eher um den Kampf geht, der den Platz für eine große Bandbreite von Welten eröffnen soll und nicht um eine einheitliche Vision, die ich der ganzen Welt aufzwingen will.

Franz Hahn: Zurück zur Realität. Die jüngste US-amerikanische Bewegung mit ihren Slogans gegen das eine Prozent scheinen mir nicht besonders in diese Richtung zu gehen?

Nikita: Die Occupy-Bewegung hat natürlich eine durchmischte Hinterlassenschaft, aber sie hat eine Menge unterschiedliche Leute zusammen gebracht, die davor oftmals niemals in einer sozialen Bewegung involviert waren oder die davor nicht einmal wussten, was sie denken und die aber jetzt bemerken, dass einige grundlegende Dinge verändert werden müssen, damit wir in einer freien Welt leben können. Aber zu der Sache mit den einen Prozent und den 99 Prozent: Einerseits sehe ich es insbesondere in den USA positiv, dass sie die Leute dazu gebracht hat, über Klasse zu reden und die Ungleichheit des Reichtums in der Struktur der Wirtschaft zu suchen. Das passiert in den USA außerhalb gewisser Teile der Linken wirklich nicht besonders oft. Es ist nicht Teil des allgemeinen Gesprächs und nun gab es zum ersten Mal eine riesige Menge Aufmerksamkeit für das riesige Gefälle zwischen den Wohlhabendsten in den Vereinigten Staaten und der großen Mehrheit der Bevölkerung. Und es wurde anerkannt, dass der Kapitalismus und unserer vom Staat ermöglichte wirtschaftliche System die Ursache dafür ist, dass wenige Leute an der Spitze wirklich reich sind, während die meisten von uns um ihr Überleben kämpfen müssen. Aber natürlich gibt es mit diesem Bezugssystem auch viele, viele Probleme. Es ist einfach ein wenig zu einfach. Die Phrase vom “einen Prozent” vermittelt den Eindruck, dass der Kapitalismus deshalb ein schlechtes System sei, weil die Leute an seiner Spitze gemein und gierig sind, und dass, wenn wir sie nur loswerden und ersetzen könnten, es der Rest von uns schon machen würde. Aber so funktioniert das nicht. Kapitalismus ist ein Pyramidenschema, eine Struktur, die Wohlstand nach oben hin verteilt und die an ihrer Spitze Macht konzentriert. Es geht nicht um eine geheime, gierige Elite an der Spitze, die unser Leben kontrolliert.

Franz Hahn: Und was ist mit dieser 99%-Sache. Normalerweise denke ich, dass ich eher Teil des einen Prozent bin und niemals ein Teil der Mehrheit sein will.

Nikita: Genau. Was mich als Anarchistin auf der anderen Seite an der 99%-Sprache frustriert, ist, dass sie für die Idee wirbt, unsere Forderungen seien nur berechtigt, wenn sie von der Kraft der Mehrheit abgedeckt werden, das der Grund dafür, dass wir unsere Forderungen bewilligt bekommen sollten, darin bestünde, dass 99 Prozent übereinstimmen. Dabei werden eine Menge von Konflikten, Differenzen und Unterdrückung innerhalb der 99 Prozent verschleiert und versteckt: die Trennungen der Menschen anhand von Geschlecht, „Race“, Staatsbürgerschaft und Klasse. In vielen Fällen war der Ruf nach Einigkeit, wie der der 99 Prozent tatsächlich ein repressiver Ruf. Er führte zu einer Menge schräger Situationen, in denen etwa gesagt wurde, dass die Bullen auch Teil der 99 Prozent sind, was ökonomisch ja richtig ist, aber vollständig die Rolle vernachlässigt, die die Polizei durch ihre Bereitstellung der militärischen Macht spielt, um das private Eigentum zu schützen und ein System am Laufen zu halten, dass es erst ermöglicht, dass es das eine Prozent gibt. Diese Sprache war also definitiv nicht genug, um zu verstehen was passiert oder einen effektiven Weg zu finden, wie man dagegen kämpft. Aber es war ein Anfang und hoffentlich können die dort involvierten Leute, die sich selbst als Teil der 99 Prozent begriffen, hier wahrzunehmen beginnen, dass wir in einem grundsätzlich ungerechten und grundsätzlich ungleichen System leben, aber auch darüber hinaus gehen, um Wege zu finden, bei denen jede von uns in der Lage sein sollte, das von uns gewünschte Leben zu führen, ohne davon abzuhängen, Teil der 99 Prozent zu sein; ohne dass es der Autorität der Mehrheit bedürfte, damit wir es verdienen, ein freies Leben zu leben. Und hoffentlich werden sie dazu fähig, neue Formen des Kampfes zu entwickeln, Formen die manchmal auf dem Konsens beruhen und darauf, dass große Gruppen transparent zusammen arbeiten, die aber auch das Bedürfnis nach Autonomie berücksichtigen, unsere Fähigkeit unabhängig zu agieren und die von uns gewünschten Welten direkt einzufordern, ohne dabei vom Mehrheitsgesetz, von den demokratischen Strukturen, in ihrer formellen Bedeutung genommen, abzuhängen oder von irgendeinem dieser anderen Prinzipien, die es so erscheinen lassen, dass Sachen nur Richtig sind, wenn sie von der Macht großer Gruppen unterstützt werden.

Franz Hahn: Ich weiß, dass ihr den Begriff nicht mögt, aber für mich scheint CrimethInc ein wenig einen Anarchoavantgardismus vorzuschlagen?

Nikita: Als Anarchisten sehen wir uns definitiv nicht als Avantgarde. Wir halten uns nicht für die wichtigsten Leute im Zentrum eines Kampfes. Aber wir denken, dass wir etwas nützliches anzubieten haben, einen wichtigen Beitrag für einen breiten Kampf: Wir sind nicht daran interessiert, die Macht oder den Staat zu übernehmen, wir wollen keine Welt, in der irgendwer Macht über irgendjemanden ausüben kann, ohne dessen Zustimmung. Wir wollen eine Welt, in der die Menschen auf Grundlage der anarchistischen Werte handeln, in der Leute anarchistische Taktiken benutzen, nämlich Taktiken, die die Macht horizontal verteilen und nicht hierarchisch, in denen alle Formen der Autorität in Frage gestellt werden. Für mich zählt nicht, ob sich jemand Anarchistin nennt oder nicht, solange wir eine Praxis, einen Weg finden können, gemeinsam auf Grundlage dieser Werte zu handeln. Ich bin gänzlich Zufrieden, in einer sozialen Bewegung, in einer revolutionären Gesellschaft oder in einem revolutionären Kampf zu wirken, zusammen mit allen, die willens sind, mit mir auf dieser Grundlage zu arbeiten, ohne Hierarchie oder Autorität zu handeln. Das ist es, was ich will.

Franz Hahn: Aber in Oakland sind zum Beispiel viele Anarchist_@*innen in die Occupy-Bewegung hineingegangen und haben eine Art Radikalisierung bewirkt. Okay es war vielleicht nicht CrimethInc im Besonderen, aber es scheint mir offensichtlich, dass es sich um eine Spielart des Avantgardismus gehandelt hat. Nicht wie beim Leninismus, aber es gab Leute, die irgendetwas anzubieten hatten, die wussten, wie man es tut und die es taten. Sie kannten sich vielleicht schon 10 Jahre oder sie hatten bereits einen anderen Kampf geführt, zwei Jahre vorher an der Universität. Und jetzt treffen sie sich wieder, gehen in diese breitere Bewegung und sagen, dass man etwas komplett anderes als in New York wolle, es entwickelte sich etwas in diese Richtung und nun schreien alle über die radikalen Minderheiten. Findest du Avantgardismus nicht das richtige Wort, oder magst du diesen Prozess nicht, bei dem man hineingeht und wirklich einige Auswirkungen hat.

Nikita: Für mich besteht der Unterschied zwischen dem, was ich als Avantgardismus ansehe und dem, was ich gerne an anarchistischen Interventionen in gesellschaftliche Bewegung sehen würde, in der Art, wie Macht organisiert und verteilt wird. Wenn Anarchisten oder irgendwer irgendetwas Nützliches anzubieten haben, wenn wir eine konkrete Idee haben, die funktioniert, wenn wir Ideen haben die gut sind und Menschen inspirieren und beeinflussen, dann gibt uns das Einfluss, dann gibt uns das bis zu einem gewissen Grad Macht und sicherlich gibt es Bewegungen, die daran interessiert sind, dass in eine bestimmte Richtung gegangen wird. Aber wir sind nicht daran interessiert, innerhalb solcher Bewegungen Macht auf eine Weise auszuüben, die Menschen dazu nötigt, in unserer Richtung mitzugehen. Wir wollen ehrlich und klar über unsere Werte und Ziele sein und jeden dazu einladen, an unseren Kämpfen teilzunehmen, die es will. Und wir wollen auch nicht von irgendwelchen anderen Anführern oder Autoritäten dazu genötigt werden, an Sachen teilzunehmen, an denen wir nicht interessiert sind. Unsere Vision basiert nicht auf einheitlichen Autoritätsstrukturen, sondern auf freiwilliger Vereinigung, wo wir bei allen uns wichtigen Angelegenheiten, ohne Kohäsion mit allen zusammenarbeiten, mit denen wir das wollen. Das ist sehr von meiner Idee einer Avantgarde unterschieden, da Avantgarde für mich auf dem Versuch beruht, Macht in den Händen einiger weniger Menschen zu konzentrieren. Diese Macht kann durch Einfluss oder durch gute Ideen erlangt werden, aber letztlich wird sie auf eine Kohärenz erheischende Art eingeprügelt, die die konsensuelle und freiwillige Vereinigung anderer involvierter Menschen geringschätzt.

Franz Hahn: Glaubt ihr an irgendeine Art Revolution, einen Punkt an dem sich alles wendet, eine Art revolutionäre, visionäre Katastrophe? Oder eher an einen evolutionären Prozess, kontinuierlicher Kämpfe?

Ret Marut: Ich glaube nicht, dass Revolution genug sein wird.

Franz Hahn: Aber wird eine Revolution brauchen und sei es als erste Bedingung für die darauffolgende Entwicklung?

Ret Marut: Ich denke, dass grundsätzliche Brüche mit einer kontrollierten Gesellschaft absolut notwendig sind. Es geht nicht darum, die Angelegenheit innerhalb eines auf Kontrolle beruhenden Systems zu reformieren, sondern vielmehr darum mit dieser Kontrolle zu brechen. Eine Revolution wird wahrscheinlich nicht genug sein, um all die von uns verlangten Änderungen einzuführen, wir reden eher von einer Reihe von revolutionären Kämpfen.

Nikita: Die Schönheit der von Anarchisten vertretenen Werte und genauso ihre Schwierigkeit liegt darin, dass wir gegen jede Form der Hierarchie sind, dass wir das Patriarchat, den Heterosexismus und die Vorherrschaft der Weißen oder die Zerstörung der Umwelt und die Ausbeutung der Tiere nicht einfach als Konsequenzen des Kapitalismus ansehen. Sie stehen zu ihm in Verhältnis und sind auf wichtige Weise verschränkt, aber man kann nicht einfach den Kapitalismus umstürzen und danach verschwinden alle anderen Form der Hierarchie einfach so über Nacht, und wir haben das Utopia, nach dem wir uns immer gesehnt hatten. Es wird ein konstanter, die ganze menschliche Geschichte umfassender Prozess sein, in dem mehr und mehr herausgebracht wird, wie wir uns mit den Teilen unserer selbst identifizieren können, die Richtung Freiheit streben, die auf Befreiung abzielen. Das ist ein Prozess, eine Revolution, der/die in jedem menschlichem Herzen vonstatten gehen muss, in jedem menschlichen Leben. Und er muss fortwährend erneuert werden, selbst wenn wir eine Reihe größerer Veränderungen, Bruchpunkte, Katastrophen durchlaufen, bei denen die Zahl der Möglichkeiten explodiert.

Franz Hahn: Vielleicht ist es aber auch andersherum und wenn wir nicht von vornherein mit allen Unterdrückungsformen brechen, werden wir niemals den Kapitalismus besiegen, so dass es nicht zuerst um den Kapitalismus geht und dann in der nächsten Revolution lösen wir die Geschlechterfrage, um in einer weiteren Revolution auch damit aufzuhören die Natur zu zerstören. Vielleicht fällt das alles zusammen.

Ret Marut: Ein Kampf, der nicht mit dem Patriarchat und anderen Formen der Unterdrückung in den eigenen Reihen fertig wird, wird nicht stark genug sein und ist zum Scheitern verurteilt. Nächste Frage.

Franz Hahn: Vielleicht noch ein Blick auf Europa. Wie sieht dieser kleine, in viele Länder zersplitterte Teil Asiens von Außen aus?

Ret Marut: Es sieht unterschiedlich aus, abhängig davon in welchem Land man sich befindet. Wir waren hauptsächlich in Zentral- und Nordeuropa. Wir haben also die Länder gesehen, die immer noch Inseln wirtschaftlicher Stabilität sind, während Europa von Süden her verbrennt.

Nikita: Auf unserer Reise durch Europa – gar nicht so oft in Deutschland, aber besonders in der Schweiz, in Schweden und in Skandinavien – haben wir oft Radikale sagen gehört, die Leute hier würden sich sehr sicher fühlen, sich mit dem Staat identifizieren und das Gefühl haben, der Staat würde auf uns aufpassen. Diese Leute hätten daher keine Lust, zu rebellieren und wären für anarchistische Botschaften unempfänglich. „Müssen wir deshalb warten, bis die Krise alles schlechter macht?, um dann für eine revolutionäre Situation zu kämpfen“. Ich glaube nicht, dass es schlimmer werden muss, damit es besser wird. Es gibt keinen objektiven Maßstab dafür, wie schlecht die Sache stehen muss, damit die Leute revoltieren. In den Vereinigten Staaten haben wir das oft gehört: „Oh, wenn Bush wiedergewählt wird, werden die Menschen wirklich aufbegehren“ oder „wenn die Vereinigten Staaten in den Irak einfallen, dann werden die Leute wirklich aufbegehren“, aber jedes Mal wenn sich die Situation verschlimmerte, passierte das einfach nicht. Der Grund dafür, dass Leute revoltieren liegt eher im Gegensatz zwischen dem, was empfunden, beansprucht oder erwartet wird, dem was man sich vorstellen kann einerseits und andererseits dem, was erfahren wird, so wie die Sache gerade läuft. Wenn in einigen dieser Sozialdemokratien – in denen es beispielhafte Fälle einer radikalen Sprache und radikaler Organisationsformen gibt, wenn auch im großen Ausmaß vom Staat kooptiert –, wenn in einigen dieser Sozialdemokratien die Sozialdemokratie nachzulassen beginnt und sich die Krise intensiviert, dann könnten diejenigen, die meinen einen Anspruch auf die Vorzüge ihrer Gesellschaft zu haben, sogar sehr heftig gegen die Beeinträchtigungen ihrer Privilegien rebellieren. Ich glaube nicht, dass da ein Mangel an revolutionärem Potential ist. Die Frage wird eher darin bestehen, herauszubekommen, wie man das revolutionäre Projekt so aufbaut, dass es nicht die Privilegien einer isolierten Gruppe oder Blase auf Kosten des Rests der Welt schützt, indem man ein gesicherte Grenze um Norwegen oder die Schweiz aufrecht erhält, um all die wütenden armen Leute draußen zu halten, auf dass sie weiter auf dem gegenwärtigen Level konsumieren und vorgeben können, alles sei in Ordnung.

Franz Hahn: Aber was ist mit der Möglichkeit einer autoritären Lösung der gegenwärtigen Probleme?

Nikita: Eine Sache, die wir an allen Orten bemerkt haben, ist, dass wenn die Konflikte näher kommen und die Sozialdemokratie an ihren Rändern ein wenig zu verschwimmen beginnt, der Faschismus anwächst. Eine Sprache, die den Einwanderern die Schuld gibt und rassistische Ideen aufrecht erhält, wird breiter akzeptiert. Das ist einer der Trends, der sich verschärfen wird, wenn die Wirtschaftskrise um sich greift. Das ist einer der Gründe, warum Anarchisten besonders konzentriert darauf sein sollten, die Grenzen und die Legitimität des Staates, den Rassismus und den Hass auf Einwanderer in Frage zu stellen und die von den Faschisten und Rechtsgerichteten angebotenen falschen Lösungen auf die dem Kapitalismus grundsätzlich zugehörigen Probleme. Die wirkliche Frage wird darin bestehen, herauszufinden, wie man die revolutionären Umbrüche und Veränderungen in der ganzen Welt damit verbinden kann, dass alle Befähigt werden, sich frei über alle Grenzen hinweg zu bewegen und damit, dass die Güter für alle frei verfügbar werden.

Ret Marut: Wir müssen eine überzeugendere revolutionäres Sichtweise anbieten, als es Faschisten können. Denn wenn wir nur Verteidiger des gegenwärtigen Systems sind, hat keiner einen Grund, nicht von den Faschisten angezogen zu werden, sobald das gegenwärtige System an Stabilität verliert. Ich denke, es ist unsere Aufgabe, sicherzustellen, dass der anarchistische Kampf die augenfälligste Gegnerschaft zur momentanen Ordnung ist, so dass die Leute, sobald sie ihr Vertrauen in die derzeitige Ordnung verlieren, unsere Vorschläge in Erwägung ziehen müssen. Die Instabilität eröffnet neue Möglichkeiten. Wenn Anarchisten daran gewöhnt bleiben, sich als ein kleines ideologisches Kloster zu sehen, wenn sie denken, sie wären in einer kleinen Höhle, in einer kleinen Blase, dann werden wir die Gelegenheiten einer destabilisierten Gesellschaft verpassen und diese werden an die Faschisten gehen. Also müssen wir auf die Möglichkeit vorbereitet sein, dass unsere Ideen und Vorschläge plötzlich für andere Menschen interessant werden könnten. Wir dürfen uns nicht einfach vor dem Rest der Gesellschaft verstecken, sondern müssen uns einbringen, damit wir die Chance haben, uns mit anderen Menschen zu verbinden, wenn die Sache instabil wird. Wenn wir das nicht tun, werden es die Faschisten sicher tun.

CrimethInc. Vortragsreise – Report

Hier findet ihr einen Report über die zweimonatige CrimethInc.-Tour durch Nordeuropa.
Auch wir von der bm-crew wollen uns nochmal herzlich bei allen Besucher_innen, Gastgeber_innen und den Vortragenden bedanken – es war eine schöne, inspirierende Zeit!



CrimethInc. Vortragstour Report

CrimethInc. Agenten haben gerade eine knapp 2 Monate dauernde Vortragstour mit 45 Veranstaltungen in Nordeuropa abgeschlossen. Wir möchten uns herzlich bedanken bei all den unzähligen Organisator_innen, Gastgeber_innen und Teilnehmer_innen, ihr habt das alles erst möglich gemacht und uns auf dem Weg viele Inspirationen gegeben.

Einige der Highlights der Tour waren das Zrenjanin Antifascist Festival , an dem Anarchist_innen aus über einem Dutzend Länder teilgenommen haben; Wanderungen auf den Spuren radikaler Geschichte durch Helsinki und durch einige andere Städte; der mit Kerzen ausgefüllte Skogskyrkogården Friedhof in der Nacht von Allerheiligen; und das Reisen mit unserem Gefährten von Black Mosquito, dessen harte Arbeit die Tour überhaupt erst angestoßen hat. Wir waren sprachlos über die hohen Teilnehmer_innen-Zahlen – am Höhepunkt waren es fast 120, aber regelmäßig 50 oder mehr Menschen. Dies scheint ein wachsendes Interesse am Anarchismus in gesamt Nordeuropa aufzuzeigen.

Und das keinen Augenblick zu früh. Bisher scheinen die Länder Nordeuropas Inseln der relativen ökonomischen Stabilität und des sozialen Friedens geblieben zu sein, während der Kontinent im Süden schon in Flammen steht – aber das wird nicht ewig so bleiben. Außerhalb von Oslo (einem europäischen Dubai, das immer noch durch Ölgelder aufrecht erhalten wird), bestätigt die wachsende Stärke der Faschist_innen auf den Straßen und im Parlament den allgemeinen Glauben daran, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis der Kapitalismus seine historisch am meisten privilegierten Mittelklassen fallen lässt. Wenn der Glaube an den Kapitalismus bröckelt, ist es besonders wichtig, dass Anarchist_innen eine Vision der Befreiung anbieten können, anstatt einfach nur subkulturelle Ghettos zu erhalten oder einen weltfremden Standpunkt als die letzten Verteidiger_innen der Sozialdemokratie einzunehmen. Einer der Gründe warum wir uns zu dieser Zeit entschlossen haben durch Nordeuropa zu touren war es, den Gefährt_innen dort einen Einblick in den Kontext anzubieten, in dem sie sich vielleicht bald befinden werden und in dem wir uns bereits in den USA befinden. Was in den nächsten paar Jahren in Nordeuropa passiert, könnte den Rahmen dafür festlegen, was im Rest der Welt möglich ist.

Message in a Bottle, die deutschsprachige Textsammlung, die wir auf dieser Tour präsentiert haben, ist in Europa bei Black Mosquito, neben einer Menge weiterem CrimethInc. Material, erhältlich. Black Mosquito arbeitet zudem an einer Übersetzung unseres aktuellen Buches Work und freut sich über Hilfe dabei. Die serbokroatische Version von Work ist unter anderem bei Što čitaš in Zagreb erhältlich. Auch wenn wir es auf dieser Tour nicht nach Russland geschafft haben, sind das Work-Buch und unser Poster, dass die kapitalistische Pyramide beschreibt nun auf russisch erhältlich, genau wie Recipes for Disaster.

Im Folgenden findet ihr eine bruchstückhafte Tour-Material-Sammlung, eine Zusammenfassung unseres Vortrages und einen Ausblick auf das, was als nächstes passiert.

Ausgewähltes Material der Tour

# ein Audio-Mitschnitt unseres Vortrags im Laidak, Berlin
# ein Audio-Mitschnitt unseres Vortrags in der KTS, Freiburg
# „Anarchie in den USA“ , eine Buchbesprechung von Message in a Bottle im Neuen Deutschland
# Join the Resistance – Fall in Love: ZAF 2012, jedno lično viđenje – ein Bericht über das Zrenjanin Antifascist Festival und unseren Vortrag; es gibt außerdem eine serbokroatische Übersetzung von dem Skript unseres Vortrags.
# Anarkistit retkellä und CrimethInc. kävi Suomessa – mitä sitten?, zwei Artikel in der finnischen Zeitung Voima
# Ein Video, das den Audio-Mitschnitt aus Tampere (Finnland) illustriert.

Zusammenfassung des Vortrags

Was meinen wir damit, wenn wir sagen, dass wir Anarchist_innen sind? Selbstverständlich wollen wir Freiheit und lehnen den Staat, Kapitalismus und alle Hierarchien ab – wir verstehen Anarchismus aber auch als einen leidenschaftlicheren Weg unsere Leben zu leben. Kapitalismus abzuschaffen bedeutet, nicht nur die Ökonomie neu zu organisieren, sondern auch ein neues Verständnis von Wert zu entwickeln. Wir müssen keine Expert_innen sein um die Ökonomie zu verstehen; wir können den Kapitalismus von jedem Standpunkt, innerhalb und außerhalb unserer Rollen in ihm, bekämpfen. Kapitalismus ist nicht das einzige System, das uns unglücklich macht, daher bekämpfen wir nicht nur diese Wirtschaft, sondern alle Formen von Herrschaft.

Wir können die Ausgangspunkte für antikapitalistischen Widerstand in drei Begriffe fassen: Produktion (unsere Arbeitsplätze und festgelegten Rollen in der Wirtschaft), Konsum (die Sachen, die wir kaufen; unsere Subkulturen; Sachen, die wir machen, wenn wir nicht bei der Arbeit sind) und Prekarität (die Instabilität, die heutzutage mehr und mehr Leute innerhalb des Kapitalismus betrifft).

In der klassischen Vorstellung einer antikapitalistischen Revolution, die in der Produktion startet, übernehmen die Arbeiter_innen die Produktionsmittel und nutzen sie um eine proletarische Utopie zu entwickeln; dies ist in den USA nie passiert. Das liegt daran, dass Revolutionäre und Radikale von diesen Kämpfen getrennt wurden; mensch könnte dies auf den Zeitpunkt datieren als Henry Ford den Kompromiss eingegangen ist, den Arbeiter_innen genug zu zahlen, damit sie die von ihnen hergestellten Produkte auch kaufen konnten, und damit den Grundstein für die Mittelklasse legte. Dadurch bekamen die Gewerkschaften eine Rolle innerhalb des Kapitalismus, sie stabilisierten ihn, anstatt die revolutionäre Forderung aufrecht zu erhalten, dass wir unser Potential, wie immer wir wünschen, einsetzen dürfen.

Nicht alle waren in diesem Kompromiss eingeschlossen; insbesondere Frauen, Migrant_innen und People of Color wurden außen vor gelassen, so wurde der Rassismus und Sexismus im Fundament der Ökonomie innerhalb des Friedensvertrages zwischen Kapitalist_innen und der neuen Mittelklasse zementiert. Als die feministische und die Bürger_innenrechts-Bewegung auftraten um diese Hierarchien anzufechten, konnten Reformer_innen fordern, in diesen Kompromiss aufgenommen zu werden; durch das Gewähren dieser Forderung an einige und dem gleichzeitigen Zerschlagen der Revolutionäre in diesen Bewegungen, schaffte der Staat es, die Gesellschaft zu stabilisieren ohne die Unterdrückung an ihrem Fundament anzufechten.

Jedoch rebellierten viele der folgenden Generation in den USA gegen diesen Kompromiss, sie wiesen das Versprechen der Massenkonsum-Gesellschaft zu Gunsten von Individualität und Gegenkultur zurück. Seit den 1960ern begann Rebellion gegen den Kapitalismus zunehmend im Bereich des Konsums und nicht in der Produktion: zum Beispiel bei Klamotten und Musik. Diese Rebellion identifizierte jedoch lediglich etwas, das der Markt zu Verfügung stellen konnte, und ermutigte eine neue Generation von Kapitalist_innen den Schwerpunkt von Konformität auf Individualität zu verschieben und so den Markt weiter zu expandieren. Selbst die Reformen, die von sozialen Bewegungen gefordert wurden, übernahmen diese Konsumlogik und erlaubten so Profite zu steigern, ohne grundlegend Unterdrückung in Frage zu stellen.

Innerhalb dieses Rahmens artikulierten Punk-Subkulturen scheinbar radikal antikapitalistische Forderungen: do it yourself (diy) und become the media (vgl. z.B. Indymedia) verweigerten sich dem Konsumspektakel und unterstützen selbstorganisierte, horizontale und partizipatorische Netzwerke, um Kultur und Informationen zu erschaffen und zu verbreiten. In der Zeit von Facebook und Youtube sind wir alle „die Medien geworden“ ohne auch nur ein bisschen freier zu werden, während einige Unternehmen enorme Profite dadurch eingefahren haben, dass sie unserer Forderung nach do it yourself nachgekommen sind. Selbst das revolutionäre Potential der daraus resultierenden Kommunikations-Werkzeuge (wie Twitter, das 2004 als txt.mob von Anarchist_innen erfunden wurde) hat schlichtweg die Tür für eine neue Ära der Überwachung und Repression geöffnet. Wenn wir Forderungen stellen, die innerhalb der kapitalistischen Logik erfüllt werden können, bringen sie uns schlussendlich nicht näher an eine antikapitalistische Revolution, sondern können nur den Markt erweitern und stabilisieren.

Innerhalb nur weniger Generationen in den USA können Arbeiter_innen, die in den fordistischen Kompromiss eingeschlossen waren, zusehen wie ihre stabilen Positionen in der Ökonomie verschwinden, während die oben genannte globale Telekommunikationsstruktur die gesamte Welt in eine einzige Fabrikhalle integriert. Arbeitsplätze bewegen sich über Grenzen, wann immer ein Handelshindernis auftaucht und lassen uns alle zunehmend prekär werden. Nun da ein Großteil der Produktion von Maschinen oder Arbeiter_innen in Sweatshops erledigt wird, arbeitet der Großteil der Arbeiter_innen in den USA im Service-Bereich, in Jobs bei denen sie überhaupt nichts sinnvolles herstellen und die offensichtlich nicht die Basis für eine post-kapitalistische Welt darstellen können. Viele schlagen sich mit Zeitarbeit durch, die keine Sicherheit bietet und uns zwingt am Wettbewerb mit der gesamten restlichen prekären Bevölkerung teilzunehmen; andere werden dazu gezwungen im illegalen Kapitalismus zu arbeiten. Gefängnisse haben sich in noch nie da gewesenem Ausmaß in der prekären Ökonomie verbreitet, genau wie Arbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit. Hier können wir das Endresultat eines globalisierten Kapitalismus sehen: die Menschheit wird wie Müll in die Ödnis geworfen, die durch eine Wirtschaft erschaffen wurde, die uns nicht länger braucht – und es gibt kein Entkommen.

Also wie sieht Widerstand in diesem Kontext aus? Wie werden wir den Kapitalismus im 21. Jahrhundert abschaffen? Lasst uns diese Frage in vier Aspekte aufteilen.

Erstens. Wer wird kämpfen? Was wird die Basis sein, um in den kommenden Jahren zusammenzufinden? Sowohl die Kämpfe, die von der Produktion und aus dem Konsum hervorgehen, haben Grenzen erreicht; auch wenn Arbeiter_innen sich immer noch organisieren werden und sogar ihre Arbeitsplätze besetzen und Punks immer noch Bands gründen und Leute durch Musik politisieren werden, glauben wir nicht, dass dies als Stätte des Widerstandes wachsen wird, wie es das im vorigen Jahrhundert getan hat. Stattdessen werden die Menschen zunehmend auf der Basis unserer Prekarität, unserer geteilten Angreifbarkeit durch die sich wandelnde Ökonomie, auf unser Unfähigkeit uns darauf zu verlassen, dass der Kapitalismus uns eine Zukunft sichert, zusammenkommen.

Wir konnten dies an den sozialen Bewegungen beobachten, die in den USA nach dem Einschlag der ökonomischen Krise aufkamen. Die Fabrikbesetzung 2008 in Chicago, 2009-10 die Universitätsbesetzungen in New York und Kalifornien und die Proteste gegen die Sozialkürzungen in Wisconsin, bei denen ein Regierungsgebäude besetzt wurde, reagierten alle auf Bedingungen die mehr und mehr Leute betreffen, aber keine von ihnen konnte über die ihnen inhärenten Grenzen hinausgehen. Warum nicht? Weil wir keine Kämpfe auf Positionen innerhalb der Ökonomie basieren lassen können, die wir nicht halten können. Die Occupy Bewegung verbreitete sich wie keine der vorangegangenen Bewegungen, weil sie außerhalb der Arbeitsplätze, Schulen / Universitäten oder irgendeiner festgelegten Position in der Ökonomie ausging. Das zeigt uns eine Richtung aus der sich Widerstand in der Zukunft entwickeln kann.

Zweitens. Was werden wir zusammen in diesen Bewegungen tun? Welche Taktiken und Praxen werden es Bewegungen ermöglichen, weiterzumachen und zu wachsen? Die Occupy Bewegung ist schnell abgestorben, nachdem in vielen Orten die Camps geräumt wurden – weil Plena abhalten und Schilder hochhalten nicht genug war. Zwei Beispiele von Bewegungen, die über Protest hinaus zur Störung der Wirtschaft gegangen sind, zeigen die Richtung, die antikapitalistische Kämpfe nehmen müssten um weiter zu wachsen. Occupy Oakland hat zum Generalstreik aufgerufen, nachdem ihr Camp geräumt wurde. Heute, wo viele Leute keine, bzw. ständig wechselnde oder sinnlose Jobs haben kann dies nicht einfach bedeuten, nicht zur Arbeit zu erscheinen; stattdessen haben die Leute den Hafen und das Geschäftsviertel blockiert und so die Wirtschaft vom funktionieren abgehalten und das außerhalb ihrer eigenen Rollen, die sie in ihr haben. Ebenso haben streikende Schüler_innen / Student_innen in Montreal, nachdem sie aus den besetzten Uni-/Schulgebäuden geräumt wurden, sich zu einer Kampagne zur Störung der Wirtschaft entschlossen, dabei haben sie das „Business as usual“ unterbrochen und die Polizei bekämpft. Diese Art von Aktion ist die einzige Möglichkeit für Bewegungen in diesem Kontext, um zusammen zu bleiben und Einfluss auszuüben.

Drittens. Was ist unsere übergreifende Strategie gegen den Kapitalismus? Die traditionelle Strategie der Linken basiert darauf, mehr und mehr Gruppen zu organisieren um kleine Reformen zu gewinnen, Einfluss aufzubauen und sanft den Weg zur größten Reform von allen zu ebnen – zur Revolution. Es hört sich heute unwahrscheinlich an, dass dies Erfolg haben wird, zum einen, weil die Reformen voriger Kämpfe den Kapitalismus eher stabilisiert als bedroht haben, und zum anderen, weil viele dieser Reformen in der heutigen prekären Ökonomie nicht einmal mehr möglich sind. Selbst nette und großzügige Kapitalist_innen können keine höheren Löhne und mehr Stabilität anbieten, wenn die Wirtschaft ihr Kapital einfach aus ihren Firmen herauszieht, sobald sie ein Anzeichen der Profit-Bedrohung entdecken. Die Bewegungen von denen wir gesprochen haben, haben nahezu keine einzige Reform gewonnen; wir brauchen eine andere Strategie, wenn wir nicht erwarten können, dass wir die Revolution durch kleine Siege aufbauen.

Heutzutage könnte Revolution realistischer als Reform sein. In Ägypten konnten Arbeiter_innen-Bewegungen in jahrzehntelangen Kämpfen keine Reformen gewinnen, aber eine Massenbewegung hat erfolgreich die gesamte Regierung innerhalb von Wochen gestürzt. Es ist heutzutage nahezu unmöglich, sich weitere Revolutionen vorzustellen, aber Kapitalismus kann einfach nicht reformiert werden. Wenn wir nicht darauf zählen können, diese kleineren Schlachten zu gewinnen, zählt die Art wie wir kämpfen. Wenn wir so agieren, dass wir die Möglichkeit einer Welt ohne Kapitalismus demonstrieren und in diesem Prozess neue Beispiele für Kämpfe erschaffen, dann können wir sogar ohne den Gewinn von Reformen Raum schaffen in dem Revolution vorstellbar wird und sich Kontexte verschieben können. Das interessanteste an den Revolutionen in Ägypten und Tunesien ist nicht, das dort nun anarchistische Utopien entstanden sind (weit davon entfernt), sondern dass sich die Kämpfe die dort entstanden sind über die ganze Welt verbreiteten. Heutzutage sollten wir unsere Effektivität nicht an den gewonnen Reformen messen, sondern daran, ob unsere Art zu kämpfen neue Möglichkeiten demonstriert und sich verbreitet.

Schließlich – was ist die Rolle der Anarchist_innen in heutigen antikapitalistischen Kämpfen? Wir können die Wahrnehmung davon verändern, was möglich und was legitim in diesen Kämpfen ist. Wir können mit neuen Taktiken experimentieren und sie weiter voranbringen, Räume für neue Möglichkeiten eröffnen, in denen Leute an Aktionen teilnehmen können, die radikaler sind als die Ideen, die sie behaupten zu vertreten.Wir können unsere Aktionen in Analysen erklären, die alle Autoritäten in Frage stellen und verhindern, dass soziale Bewegungen von linken oder rechten Autoritären vereinnahmt werden. Wir sind keine Avantgarde, aber wir können einen wichtigen Beitrag leisten, wenn wir darüber hinausgehen, Siege für uns Anarchist_innen gewinnen zu wollen, und anfangen anarchistische Taktiken zu verbreiten, wie Wege zu Kämpfen, die die Macht horizontal und nicht vertikal verteilen. Wenn wir das machen und unsere Taktiken sich über die selbsternannten Anarchist_innen hinaus in die riesige Menge der prekären Bevölkerung verbreiten, die immer weniger an der Aufrechterhaltung des Kapitalismus beteiligt sind, dann können wir einen wirklichen Beitrag zu einem revolutionären Kampf leisten.

Was passiert nun

Wir möchten die Verbindungen weiter ausbauen , die wir mit Gefährt_innen in Europa angefangen haben. Hier sind ein paar Möglichkeiten wie das aussehen könnte:

# Jede_r kann gerne CrimethInc. Material übersetzen – und auch gerne auf andere Kontexte abstimmen. Wenn du interessiert bist, schreib uns und wir werden dir helfen wie auch immer wir können.

# Wir würden uns über anarchistische Analysen, Berichte von aktuellen Kämpfen, aufschlussreiche Geschichten und anderes Material die nicht auf englisch sind freuen und sie vielleicht im englischsprachigem Raum verbreiten. Dafür brauchen wir Hilfe von Muttersprachler_innen, die die Texte ins englische übersetzen können.

# Wir werden unser bestes tun, um Kollektiven aus Europa und dem Rest der Welt bei Touren und anderen Veranstaltungen in den USA zu helfen; schreibt uns an für Unterstützung.

# Schließlich begrüßen wir alle News über anarchistische Organisierung außerhalb der USA, über kommende Treffen und Demonstrationen, Informationen über Repression und Solidaritätsaufrufe