Die Revolutionierung des Alltags – Das Fernsehen im Visier

Ein Blick hinter die Kulissen: Ins Innere eines Serienkillers

Jeder weiß wie langweilig und dumm die meisten Fernsehsendungen sind. Allen die eine Stunde zur Hauptsendezeit vor der Glotze verbringen, ist klar, dass Soaps, Nachrichten und Werbungen so gemacht sind, dass sie den kleinsten gemeinsamen Nenner bezüglich Geschmack, Intellekt und Aufmerksamkeit der zukünftigen FernsehzuschauerInnen bilden. Seit Generationen ist das Fernsehen nun schon mit dem Klischee behaftet es sei „geistlose Unterhaltung“. Aber für die meisten Leute ist das nicht wirklich ein Grund, um mit dem Fernsehen aufzuhören.
Es ist nicht schwer zu begreifen, dass Unterhaltung in einem Zusammenhang mit Dummheit und Belanglosigkeit steht, und dass „unterhalten zu werden“ auch voraussetzt die kritischen und kreativen Begabungen der ZuschauerInnen vor der Glotze abzulegen – wie lästig ist es ohnehin kritisch und kreativ zu sein! In einer Gesellschaft, die scheinbar nichts anderes ernst zu nehmen scheint, das sich außerhalb der Arbeitssphäre, des Markts der Waren und Dienstleistungen und der Anhäufung von Reichtum befindet, ist es nur verständlich, dass wir unsere Freizeit auf die unkreativste Weise verbringen. Die negativen Auswirkungen vom massenhaften Fernsehen sind aber sehr viel komplexer als sie auf den ersten Blick erscheinen. Unsere Abhängigkeit vom Fernsehen und anderen Erscheinungen der gleichförmigen Unterhaltungs- und Informationsmedien umfasst eben auch die wirtschaftliche, soziale und vor allem persönliche Ebene. So ist unsere Beziehung zu jenen Medien dieselbe wie die von ZuschauerInnen zum Spektakel und unser Leben selbst ist weniger erfüllend für uns, die wir nur passiv zusehen, als für jene, die selbst handeln und aktiv sind.
Diese Zuschauer/ Spektakel Beziehung zeigt sich auch am Gottstatus der „Stars“ und anderer Prominenter unserer Gesellschaft. Die Medien sind teilweise abhängig von der Idealisierung und letztenendes „Sakralisierung“ von „Persönlichkeiten“ wie Tom Cruise, Ice Cube oder Joschka Fischer, um damit das Programm zu formen, das uns weiterhin an den Fernsehsessel fesselt. In Wirklichkeit sind diese Leute weder andersartiger, noch aufregender als wir. Viel eher zeigt die Tatsache, dass so viele von ihnen von der einen in die andere Rolle schlüpfen können (vom Model zum Rockstar, vom Rockstar zum Schauspieler, vom Schauspieler zum Präsident der Vereinigten Staaten ), dass das, was sie so „berichtenswert“ macht, nur auf ihren öffentlichen Status und nicht tatsächlich auf ihre außergewöhnlichen Talente in einem bestimmten Bereich zurückzuführen ist. Täglich werden wir mit so vielen nutzlosen Informationen über diese Individuen überhäuft, dass man schließlich nicht anders kann als ihnen Aufmerksamkeit zu schenken… und schon bald weißt du mehr über Madonnas neuen Freund, als du über deine eigenen Nachbarn weißt. Vielleicht beginnst du sogar stellvertretend durch Madonna zu leben, die von den Medien als ein Abbild für weiblichen Charme und Konventionsbrüche gezüchtet wurde. Allein deshalb um ein Leben zu leben, das dir in hohem Maße interessanter zu sein scheint als dein eigenes. Im schlimmsten Fall werden wir bald sogar mehr über erfundene Charaktere wissen als über echte Menschen.
Hör den Leuten bei ihren alltäglichen Gesprächen zu und du wirst merken wie viel Zeit sie verschwenden, indem sie über Fernsehshows, alte Filme und Comichelden sprechen. Anstatt Pläne für unser eigenes Leben zu machen oder uns besser kennenzulernen, verbringen wir unsere Zeit damit, nutzlose Informationen, die uns die Medien eingetrichtert haben, auszutauschen. Und je mehr Zeit wir damit verbringen uns zu fragen, wer die nächste „Band des Jahres“ bei MTV werden wird, desto weniger Zeit haben wir, mehr aus unserem eigenen Leben zu machen. Es gibt einen Grund warum die Dinge so sind wie sie sind. Wenn Fernsehgesellschaften, FilmproduzentInnen und andere Institutionen der Massenmedien uns davon überzeugen, dass unterhaltsames, aufregendes Leben nicht das ist, was jeden Tag um uns herum geschieht, sondern nur im Leben von Berühmtheiten oder Filmen zu finden ist, dann schaffen sie es, das Leben selbst an uns zurückzuverkaufen. Das passiert, wenn du deine Freizeit lieber damit verbringst fern zu sehen, als zu verreisen oder dich zu verlieben oder Fußball zu spielen: Du glaubst, dass das Aufregendste was du erleben kannst das Glotzen einer Reisesendung, einer Serie oder eines Fußballspiels ist. Und je öfter du dir diese Dinge im Fernsehen anschaust, desto mehr vergisst du, dass du draußen sein könntest um diese Dinge selbst zu tun, anstatt sie nur anzusehen. Du würdest überrascht sein wie viel aufregender es eigentlich ist, Musik selbst zu machen, als MTV zu schauen – wie erhebender das Gefühl ist, selbst gegen ein Hindernis anzurennen, als nur Abenteuerfilme zu sehen. Aber je seltener du den Platz vorm Fernseher verlässt, um die Dinge wirklich zu tun, desto leerer ist dein Leben in der Wirklichkeit und desto mehr brauchst du die Fernsehsendungen, um den fehlenden Reiz in deinem eigenen Leben zu kompensieren.
Genau an diesem Punkt kommen die Medien ins Spiel. Sie sind froh dir ein Ersatzleben zur Verfügung stellen zu können – zum entsprechenden Preis. Sicherlich werden sie dir zweitklassigen Sex und Gewalt, Pseudoerregung und -zuneigung verkaufen … aber du musst dafür bezahlen, für Pay-TV oder Kabelfernsehen, den Fernseher, die Kinokarten, das Computermodem und das aktuellste Mode- oder Musikmagazin. Vor allem aber musst du ihre Werbung im Radio hören, in den Magazinen lesen oder zwischen den Sendungen sehen. Diese Werbung wurde einzig und allein dafür entworfen, dich zum Geldausgeben, für die beworbenen Produkte, zu bewegen… Aber wenn du dein Geld dafür ausgibst, wirst du härter und länger arbeiten müssen, um mehr Geld zu verdienen.
Letztlich ist dein Job auch nicht besonders einträglich. Statt, dass er dich voll erfüllt, damit du nicht mehr das Bedürfnis hast fernsehen zu müssen, erscheint dir im Vergleich zu deinem Job das Fernsehen viel spannender. So wirst du dich am Feierabend so erschöpft fühlen, dass du dich zu nichts anderem mehr in der Lage fühlst als die Glotze anzuschalten … Du wirst sogar dein kreatives Tun von Dingen als Arbeit ansehen, das dich erschöpft und unbefriedigt sein lässt und stattdessen viel eher anderen Dingen außerhalb deiner „Arbeitszeit“ in deiner „Freizeit“ zuschauen. Mit diesem Denken findest du dich, nach dem Sinn des Lebens suchend, vor dem Fernseher beim Championsleague-Finale glotzen wieder, statt dein eigenes Spiel zu schaffen oder zu spielen.
Und all das wäre sogar unglaublich komisch, wenn es nicht so tragisch wäre: höchst wahrscheinlich ist dein Job, in den du all deine Kraft investierst, im Bereich der Medien oder der Vermarktungsindustrie angesiedelt. Vielleicht arbeitest du bei einer Werbeagentur oder einem Fernsehsender oder für ein Unternehmen das ein Produkt produziert und vermarktet, welches völlig nutzlos für die Menschheit ist, das aber jeder kaufen will, weil so enorm viel dafür geworben wird (Coca Cola ist ein gutes Beispiel). Und während du dir immer ausgebrannter vorkommst und das wahre Leben mit seinen tiefschürfenden, intensiven und situativen Erfahrungen verpasst, nur um einen billigen Ersatz davon kaufen zu können, unterstützt du dasselbe System, das deine Zeit bis zu deinem Tod verschwendet. Und mach dir bitte bloß nichts vor: Du wirst auf jeden Fall sterben! – Willst du dann auf ein Leben zurückblicken, das aus dem Sehen und Reden über „die Simpsons“ bestand oder auf ein Leben voll von Schmerz und Freude, Romantik und Kampf, Liebe und Hass? Bist du zufrieden damit anderen Leuten dabei zuzusehen, wie sie die Dinge tun, die du selbst machen könntest, wenn du nicht so viel Zeit als passivEr ZuschauerIn verschwenden würdest und mit deinem Job, den du nur brauchst um Dinge kaufen zu können, die du nicht brauchst… um dafür zu zahlen noch mehr sehen zu können. Wenn du willst ist die Lösung recht einfach: Es ist leicht den Fernseher auszuschalten und raus zu gehen. Aufzuhören sich darum zu kümmern, was Elvis Tochter gerade macht und stattdessen anzufangen sich dafür zu interessieren, was deine FreundInnen oder deine Feinde gerade tun, was deinE LiebhaberIn oder deine Stiefeltern gerade machen. Verlass dein Büro, trete ins Sonnenlicht und lerne dies ohne ausgefallene Kleidung oder einen brandneuen Walkman zu tun, so dass du frei sein wirst, ein Leben voller Herausforderung und Aufregung zu leben, ein Leben voll von neuen Erfahrungen, ein Leben, in dem du deines Schicksals eigener Herr bist, statt nur das Opfer eines langweiligen Berufes und ein paar scharfsinniger Werbekampagnen.
Bestimmt kannst du einen lohnenswerten Weg finden, um mehr Geld zu verdienen als du zum Überleben brauchst, würdest du die Energie und Zeit nutzen, die du damit verschwendest Schuhe zu verkaufen oder Computer für deinen Arbeitgeber zu programmieren … oder, noch besser, du könntest mit anderen zusammen an einer Welt arbeiten, in der Überleben nicht vom Geld abhängt.
Tu jetzt was oder schweig für immer! Sprich nicht davon, wie gelangweilt du bist oder wie sehr du deinen Job hasst, oder wie vollkommen sinnlos dir dein Leben erscheint, wenn du nicht den Willen für den Versuch aufbringst, dich zu befreien.

(Übersetzung von Heiko B. aka „T. Atman Search“– an ascetic hedonist)


2 Antworten auf „Die Revolutionierung des Alltags – Das Fernsehen im Visier“


  1. 1 medium 23. Juni 2010 um 12:21 Uhr

    So ein Bullshit! Ich will meine Zeit verschwenden, indem ich über Fernsehshows, alte Filme und Comichelden spreche!
    Und villeicht so was auch selbst machen. Nur ich schaffs viel seltener als ich gerne würde, weil mich das System/die Gesellschaft/wtf daran hindern. Also verlier ich nicht nur nen Haufen zeit auf „Arbeit“ sondern zusätzlich noch dabei, zu überlegen wie sich diese Scheiße ändern lässt und – soweit möglich – das auch umzusetzen.
    Dabei will ich doch eigentlich nur gute Filme sehen.

    Gegen Leistungsrevolutionäre!
    Life Deluxe For All!

  2. 2 schmedium 08. November 2010 um 13:17 Uhr

    Also ich fand den Artikel wirklich erste Sahne. Die Kritik von Medium kann ich nicht so richtig nachvollziehen.

    Wenn du Filme schaust bist du doch nicht wirklich glücklich, oder? Ich sehe zwar auch öfters mal Filme (da kann man gut versacken und so), aber so richtig Spaß macht mir das nicht. So Endorphinschübe und so, die kriegt man auf die Art und Weise einfach nicht. Richtig Spaß hat man doch eher beim interagieren, statt nur Information zu empfangen.

    Das Fernsehen ist ein total authoritäres Medium, das uns voneinander trennt, weil wir alle davor hängen statt zusammen coole Sachen zu machen. Also: TV ausmachen, und stattdessen mal richtig gut Badminton spielen, ein Haus bemalen oder eine Briefbombe basteln. ;)

    (A)

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