Archiv für Juni 2010

Die Revolutionierung des Alltags – Das Fernsehen im Visier

Ein Blick hinter die Kulissen: Ins Innere eines Serienkillers

Jeder weiß wie langweilig und dumm die meisten Fernsehsendungen sind. Allen die eine Stunde zur Hauptsendezeit vor der Glotze verbringen, ist klar, dass Soaps, Nachrichten und Werbungen so gemacht sind, dass sie den kleinsten gemeinsamen Nenner bezüglich Geschmack, Intellekt und Aufmerksamkeit der zukünftigen FernsehzuschauerInnen bilden. Seit Generationen ist das Fernsehen nun schon mit dem Klischee behaftet es sei „geistlose Unterhaltung“. Aber für die meisten Leute ist das nicht wirklich ein Grund, um mit dem Fernsehen aufzuhören.
Es ist nicht schwer zu begreifen, dass Unterhaltung in einem Zusammenhang mit Dummheit und Belanglosigkeit steht, und dass „unterhalten zu werden“ auch voraussetzt die kritischen und kreativen Begabungen der ZuschauerInnen vor der Glotze abzulegen – wie lästig ist es ohnehin kritisch und kreativ zu sein! In einer Gesellschaft, die scheinbar nichts anderes ernst zu nehmen scheint, das sich außerhalb der Arbeitssphäre, des Markts der Waren und Dienstleistungen und der Anhäufung von Reichtum befindet, ist es nur verständlich, dass wir unsere Freizeit auf die unkreativste Weise verbringen. Die negativen Auswirkungen vom massenhaften Fernsehen sind aber sehr viel komplexer als sie auf den ersten Blick erscheinen. Unsere Abhängigkeit vom Fernsehen und anderen Erscheinungen der gleichförmigen Unterhaltungs- und Informationsmedien umfasst eben auch die wirtschaftliche, soziale und vor allem persönliche Ebene. So ist unsere Beziehung zu jenen Medien dieselbe wie die von ZuschauerInnen zum Spektakel und unser Leben selbst ist weniger erfüllend für uns, die wir nur passiv zusehen, als für jene, die selbst handeln und aktiv sind.
Diese Zuschauer/ Spektakel Beziehung zeigt sich auch am Gottstatus der „Stars“ und anderer Prominenter unserer Gesellschaft. Die Medien sind teilweise abhängig von der Idealisierung und letztenendes „Sakralisierung“ von „Persönlichkeiten“ wie Tom Cruise, Ice Cube oder Joschka Fischer, um damit das Programm zu formen, das uns weiterhin an den Fernsehsessel fesselt. In Wirklichkeit sind diese Leute weder andersartiger, noch aufregender als wir. Viel eher zeigt die Tatsache, dass so viele von ihnen von der einen in die andere Rolle schlüpfen können (vom Model zum Rockstar, vom Rockstar zum Schauspieler, vom Schauspieler zum Präsident der Vereinigten Staaten ), dass das, was sie so „berichtenswert“ macht, nur auf ihren öffentlichen Status und nicht tatsächlich auf ihre außergewöhnlichen Talente in einem bestimmten Bereich zurückzuführen ist. Täglich werden wir mit so vielen nutzlosen Informationen über diese Individuen überhäuft, dass man schließlich nicht anders kann als ihnen Aufmerksamkeit zu schenken… und schon bald weißt du mehr über Madonnas neuen Freund, als du über deine eigenen Nachbarn weißt. Vielleicht beginnst du sogar stellvertretend durch Madonna zu leben, die von den Medien als ein Abbild für weiblichen Charme und Konventionsbrüche gezüchtet wurde. Allein deshalb um ein Leben zu leben, das dir in hohem Maße interessanter zu sein scheint als dein eigenes. Im schlimmsten Fall werden wir bald sogar mehr über erfundene Charaktere wissen als über echte Menschen.
Hör den Leuten bei ihren alltäglichen Gesprächen zu und du wirst merken wie viel Zeit sie verschwenden, indem sie über Fernsehshows, alte Filme und Comichelden sprechen. Anstatt Pläne für unser eigenes Leben zu machen oder uns besser kennenzulernen, verbringen wir unsere Zeit damit, nutzlose Informationen, die uns die Medien eingetrichtert haben, auszutauschen. Und je mehr Zeit wir damit verbringen uns zu fragen, wer die nächste „Band des Jahres“ bei MTV werden wird, desto weniger Zeit haben wir, mehr aus unserem eigenen Leben zu machen. Es gibt einen Grund warum die Dinge so sind wie sie sind. Wenn Fernsehgesellschaften, FilmproduzentInnen und andere Institutionen der Massenmedien uns davon überzeugen, dass unterhaltsames, aufregendes Leben nicht das ist, was jeden Tag um uns herum geschieht, sondern nur im Leben von Berühmtheiten oder Filmen zu finden ist, dann schaffen sie es, das Leben selbst an uns zurückzuverkaufen. Das passiert, wenn du deine Freizeit lieber damit verbringst fern zu sehen, als zu verreisen oder dich zu verlieben oder Fußball zu spielen: Du glaubst, dass das Aufregendste was du erleben kannst das Glotzen einer Reisesendung, einer Serie oder eines Fußballspiels ist. Und je öfter du dir diese Dinge im Fernsehen anschaust, desto mehr vergisst du, dass du draußen sein könntest um diese Dinge selbst zu tun, anstatt sie nur anzusehen. Du würdest überrascht sein wie viel aufregender es eigentlich ist, Musik selbst zu machen, als MTV zu schauen – wie erhebender das Gefühl ist, selbst gegen ein Hindernis anzurennen, als nur Abenteuerfilme zu sehen. Aber je seltener du den Platz vorm Fernseher verlässt, um die Dinge wirklich zu tun, desto leerer ist dein Leben in der Wirklichkeit und desto mehr brauchst du die Fernsehsendungen, um den fehlenden Reiz in deinem eigenen Leben zu kompensieren.
Genau an diesem Punkt kommen die Medien ins Spiel. Sie sind froh dir ein Ersatzleben zur Verfügung stellen zu können – zum entsprechenden Preis. Sicherlich werden sie dir zweitklassigen Sex und Gewalt, Pseudoerregung und -zuneigung verkaufen … aber du musst dafür bezahlen, für Pay-TV oder Kabelfernsehen, den Fernseher, die Kinokarten, das Computermodem und das aktuellste Mode- oder Musikmagazin. Vor allem aber musst du ihre Werbung im Radio hören, in den Magazinen lesen oder zwischen den Sendungen sehen. Diese Werbung wurde einzig und allein dafür entworfen, dich zum Geldausgeben, für die beworbenen Produkte, zu bewegen… Aber wenn du dein Geld dafür ausgibst, wirst du härter und länger arbeiten müssen, um mehr Geld zu verdienen.
Letztlich ist dein Job auch nicht besonders einträglich. Statt, dass er dich voll erfüllt, damit du nicht mehr das Bedürfnis hast fernsehen zu müssen, erscheint dir im Vergleich zu deinem Job das Fernsehen viel spannender. So wirst du dich am Feierabend so erschöpft fühlen, dass du dich zu nichts anderem mehr in der Lage fühlst als die Glotze anzuschalten … Du wirst sogar dein kreatives Tun von Dingen als Arbeit ansehen, das dich erschöpft und unbefriedigt sein lässt und stattdessen viel eher anderen Dingen außerhalb deiner „Arbeitszeit“ in deiner „Freizeit“ zuschauen. Mit diesem Denken findest du dich, nach dem Sinn des Lebens suchend, vor dem Fernseher beim Championsleague-Finale glotzen wieder, statt dein eigenes Spiel zu schaffen oder zu spielen.
Und all das wäre sogar unglaublich komisch, wenn es nicht so tragisch wäre: höchst wahrscheinlich ist dein Job, in den du all deine Kraft investierst, im Bereich der Medien oder der Vermarktungsindustrie angesiedelt. Vielleicht arbeitest du bei einer Werbeagentur oder einem Fernsehsender oder für ein Unternehmen das ein Produkt produziert und vermarktet, welches völlig nutzlos für die Menschheit ist, das aber jeder kaufen will, weil so enorm viel dafür geworben wird (Coca Cola ist ein gutes Beispiel). Und während du dir immer ausgebrannter vorkommst und das wahre Leben mit seinen tiefschürfenden, intensiven und situativen Erfahrungen verpasst, nur um einen billigen Ersatz davon kaufen zu können, unterstützt du dasselbe System, das deine Zeit bis zu deinem Tod verschwendet. Und mach dir bitte bloß nichts vor: Du wirst auf jeden Fall sterben! – Willst du dann auf ein Leben zurückblicken, das aus dem Sehen und Reden über „die Simpsons“ bestand oder auf ein Leben voll von Schmerz und Freude, Romantik und Kampf, Liebe und Hass? Bist du zufrieden damit anderen Leuten dabei zuzusehen, wie sie die Dinge tun, die du selbst machen könntest, wenn du nicht so viel Zeit als passivEr ZuschauerIn verschwenden würdest und mit deinem Job, den du nur brauchst um Dinge kaufen zu können, die du nicht brauchst… um dafür zu zahlen noch mehr sehen zu können. Wenn du willst ist die Lösung recht einfach: Es ist leicht den Fernseher auszuschalten und raus zu gehen. Aufzuhören sich darum zu kümmern, was Elvis Tochter gerade macht und stattdessen anzufangen sich dafür zu interessieren, was deine FreundInnen oder deine Feinde gerade tun, was deinE LiebhaberIn oder deine Stiefeltern gerade machen. Verlass dein Büro, trete ins Sonnenlicht und lerne dies ohne ausgefallene Kleidung oder einen brandneuen Walkman zu tun, so dass du frei sein wirst, ein Leben voller Herausforderung und Aufregung zu leben, ein Leben voll von neuen Erfahrungen, ein Leben, in dem du deines Schicksals eigener Herr bist, statt nur das Opfer eines langweiligen Berufes und ein paar scharfsinniger Werbekampagnen.
Bestimmt kannst du einen lohnenswerten Weg finden, um mehr Geld zu verdienen als du zum Überleben brauchst, würdest du die Energie und Zeit nutzen, die du damit verschwendest Schuhe zu verkaufen oder Computer für deinen Arbeitgeber zu programmieren … oder, noch besser, du könntest mit anderen zusammen an einer Welt arbeiten, in der Überleben nicht vom Geld abhängt.
Tu jetzt was oder schweig für immer! Sprich nicht davon, wie gelangweilt du bist oder wie sehr du deinen Job hasst, oder wie vollkommen sinnlos dir dein Leben erscheint, wenn du nicht den Willen für den Versuch aufbringst, dich zu befreien.

(Übersetzung von Heiko B. aka „T. Atman Search“– an ascetic hedonist)

Es gibt einen Unterschied zwischen Leben und Überleben!

Diese Welt, die so genannte „wirkliche Welt“ ist nur eine Fassade. Zieh den Vorhang zur Seite und du wirst merken, dass die Bibliotheken voller AusreißerInnen sind, die Romane schreiben, dass sich auf den Autobahnen lauter Flüchtende und SympathisantInnen tummeln, dass all die SekretärInnen und vernünftigen Eltern an ihren Ketten zerren und nach einer Chance suchen, um zu zeigen, wie lebendig sie noch sind… Und all das Geschwätz über „Sachlichkeit“ und „Verantwortung“ ist nur eine Drohung und ein Bluff, damit wir nicht wagen unsere Hände nach der anderen Welt auszustrecken, die so nah vor uns liegt.

Es gibt einen Unterschied zwischen Leben und Überleben.

Was auch immer die Medizin uns vermitteln will… Es gibt einen Unterschied zwischen dem Leben und dem Überleben. Man braucht mehr als einen Herzschlag und ein funktionsfähiges Gehirn um am Leben zu sein. Lebendig zu sein, am Leben zu sein, ist etwas viel tiefgreifenderes und herrlicheres als biochemische Reaktionen. Die medizinischen Apparate messen unseren Blutdruck und unsere Körpertemperatur, aber sie übersehen unsere Lüste, Leidenschaften und unsere Liebe. All die Dinge die unserem Leben Bedeutung ein hauchen. Um diesem unserem Leben wieder einen Sinn zu geben, um ihm das größtmögliche abzuverlangen, müssen wir das Leben ganz neu bestimmen. Wir müssen uns befreien von seinen bloßen klinischen Definitionen und uns solchen Begriffsbestimmungen zuwenden, die mehr mit dem zu tun haben, was wir tatsächlich fühlen.

Wo wir gerade dabei sind: Wie viel Lebendiges spüren wir eigentlich in unserem Leben? Wie oft wachst du morgens auf und fühlst dich wirklich befreit? Fühlst die Aufregung, am Leben zu sein und kannst es kaum erwarten die Erfahrungen eines neuen Tages zu machen? Wie oft schläfst du nachts selbst verwirklicht und befriedigt ein, wenn du an die Ereignisse des vergangenen Tages denkst? Viele von uns glauben, dass bereits alles schon ohne uns entschieden worden ist, so als ob das Leben nicht ein kreativer Akt ist, sondern etwas, dass mit uns passiert. Genau das bedeutet eben nicht am Leben zu sein. Das bedeutet bloßes Überleben. Das bedeutet ein Zombie zu sein. Und so haben wir uns unsere eigenen Leichenhäuser geschaffen, in den Büroräumen, den Videospielen, den Einkaufshäusern, den Fabriken und vor der Glotze. Natürlich fürchten Hausfrauen und kleinbürgerliche Angestellte das Risiko und die Veränderung wie den Tod. Sie können sich nicht vorstellen, dass es etwas anderes gibt, das Bedeutung haben kann, als ihre materielle Sicherheit. Ihre Herzen mögen noch schlagen, aber sie glauben nicht mehr länger an ihre Träume, geschweige denn daran ihnen nachzujagen. Sie haben ihren eigenen Sarg geschaffen. Sie nennen ihn Büro- oder Fernsehsessel.

Aber in einigen von uns brennt noch ein Lebensfeuer. Sie fangen an ihren Träumen nachzugehen und ihre alten Alltagsmuster zu durchbrechen. Sie kümmern sich um das, was sie lieben (und darum, in diesem Prozess das zu entdecken, was sie hassen). Sie beginnen zu träumen, die Dinge um sie herum in Frage zu stellen und außerhalb der Grenzen von Routine und Vorschriften zu handeln. Andere sehen ihnen dabei zu, sehen Leute, die es wagen, kreativer, abenteuerlicher, freizügiger und fordernder zu leben, als sie es jemals für möglich gehalten haben und werden sich ihnen nach und nach anschließen. Das wird der Anfang der Umwälzung sein. Wenn einmal genug Menschen diese Art zu leben in sich aufgenommen haben, dann ist eine kritische Masse entstanden und die Gesellschaft wird sich von selbst ändern. Von diesem Moment an wird sich die Welt umwandeln: Von dem angst einflößenden und entfremdeten Ort wie sie jetzt ist zu einem Ort voller Möglichkeiten, an dem wir unser Leben in den eigenen Händen nehmen und unsere Träume Wirklichkeit werden lassen.

Also mach das, was du tatsächlich mit deinem Leben machen willst, was auch immer es ist! Aber um sicher zu sein, dass du auch das bekommst, was du willst, denke zuerst genau darüber nach, was es wirklich ist und wie du es bekommen willst. Analysiere die Welt um dich herum und du wirst herausfinden welche Menschen und Kräfte gegen deine Wünsche arbeiten und welche auf deiner Seite stehen… Und wie du mit uns zusammenarbeiten kannst. Wir sind hier draußen, erleben das Leben in vollen Zügen und warten auf dich… Wir fahren schwarz in Güterzügen durch Amerika. Wir organisieren den Widerstand in den französischen Schulen. Wir schreiben wundervolle Briefe bei Sonnenaufgang in Bangkok. Wir tanzen zur Musik der klirrenden Scheiben multinationaler Konzerne. Wir lieben uns auf der Toilette deiner Firma und haben uns gerade davon geschlichen, als du zu deiner Mittagspause wieder zurück kommst.

Das Leben wartet mit uns auf dich. Auf den Gipfeln von unbestiegenen Bergen, im Rauch von Lagerfeuern und brennenden Gebäuden, in den Armen von Geliebten, die unsere Welt komplett umkehren. Komm schon! Schließ dich uns an!

Tod oder Leben? Du hast die Wahl!

(Übersetzt von Arsen 13)